Mitawa ca

 

Zu irgendeiner Zeit, an irgendeinem Ort, ganz weit weg von unseren Wohnzimmern, wurde in der Weite der Prärie Nordamerikas eine Fohlenstute geboren. Sie war gewiss nicht das einzige Fohlen was in dieser Zeit das Licht der Welt erblickte, aber doch sah die ganze Herde schon von der ersten Sekunde an, wie besonders es war. Ihr Fell war schneeweiß, ohne jeden Tupfer. Sie war stark und stand viel schneller als alle anderen auf ihren wackeligen Beinen.

Die Wochen vergingen und die zarte Stute wuchs heran. Sie war stark, tollkühn und entfernte sich immer öfter, immer weiter von der Herde. Ihr rein weißes Fell schimmerte in der Sonne und es schien als würde sie von irgendwas da draußen gerufen. Weil ihre Elterntiere um ihren Freiheitsdrang wussten, gaben sie ihr den Namen Mapiya, das ist indianisch und bedeutet Himmel und den wollte Mapiya an jedem Tag erstürmen. Sie spielte und tollte auch mit ihren Altersgenossen, doch verlor immer wieder das Interesse. Sie rannte dann einfach stundenlang durch die Prärie und wenn sie in der Abenddämmerung umkehren musste war sie traurig und Schwere legte sich auf ihren Körper. Eines Tages hatte sie genug vom Abendlichen umkehren und fasste den Entschluss, die Herde für den Traum von Freiheit und unendliche Weite ihre Familie zu verlassen. Mapiya hörte einfach nicht auf zu laufen und das Blut raste durch ihren Körper, ihre Mähne flatterte im Abendwind. Sie überlief die gedankliche Grenze ihres zu Hauses und spürte die rasende Freiheit in ihrer Brust hämmern. Sie war frei, endlich frei. Sie konnte nun gehen wohin sie wollte, egal wohin auch immer. In dieser Nacht machte sie kurz rast und dachte auch an die Familie zu Hause, doch sie würde ja irgendwann zurückkehren, also belastete sie sich nicht mit solchen Gedanken, Hauptsache frei. Als sie in dieser finsteren Nacht die Wölfe in der Ferne hörte, spürte sie das erste Mal so etwas wie Heimweh nach Schutz, denn in der Herde wurde sie beschützt, nie allein gelassen. Jetzt war sie frei und allein. Wenn der Ruf der Wölfe bedeutete, dass sie angreifen wollten, wäre sie auf sich gestellt, niemand würde sie schützen, aber Mapiya, war auch etwas stur und meinte das würde schon alles klappen. Sie war stark und könnte doch auch kämpfen, also alles in Ordnung… und unsagbar „Frei.“

Am nächsten Morgen begann die aufregende Reise dieser wunderschönen Stute. Sie rannte über Landesgrenzen, sah das erste Mal Schnee und staunte wahnsinnig über das Meer und wie ihre Hufabdrücke von der Brandung weggespült wurden. Mapiya war glücklich in jedem Land, an jedem Ort den sie besuchte. Doch aus den Wochen wurden Monate und sie vermisste allmählich ihre Herde. Immer schwerer fiel ihr das Alleinsein, obwohl sie manchmal Wegbegleiter, für kurze Zeit hatte, doch das war nicht ihre Familie. Nachts träumte sie von zu Hause und sah ihre Eltern wie sie auf sie warteten. Ihr Herz wurde traurig und plötzlich war die wilde, grenzenlose Freiheit gar nicht mehr so spannend. Sie tat weh, die Freiheit. Weil der Preis die Sehnsucht nach Vertrautem war. Sie lief am Meer entlang und betrachtete den Horizont. Ganz weit da draußen sah sie ihre Herde am Horizont laufen. Sie liefen gemeinsam und glücklich vor ihren Augen. Da beschloss Mapiya nach Hause zu gehen, doch sie hatte auch Angst. Wie viel Zeit war vergangen und würde ihre Familie sie wieder aufnehmen? Trotz aller Zweifel rannte sie den Strand entlang und beschleunigte wahnsinnig. Ihr Herz schlug freudig der Heimat entgegen.

Als Mapiya endlich nach Tagen die Grenze zu ihrem Land übertrat, kamen wieder Zweifel auf. Was hatte sie getan? Sie hatte alle verlassen, ohne ein Wort und ohne Abschied. Sie schnaubte kräftig und die Nüstern flatterten und dann rannte sie los, sie stoppte kein weiteres Mal bis sie plötzlich inmitten ihrer Herde stand. Unsicher über die Reaktionen ihrer Familie zitterten ihre staksigen Beine. Sie senkte beschämt den Kopf und alle starrten sie an. Das atmen wurde schwer und dann spürte sie den Hauch eines Tieres ihr gegenüber. Leicht hob sie den Kopf und blickte in die funkelnden Augen ihrer Mutter. Kein Zorn, keine Wut. Nur Wärme, Liebe und Zärtlichkeit blickten sie an. Mapiya war so glücklich und wollte nur zu gern den Kopf an der Mutter Hals legen, aber traute sich nicht. Dann sprach die Mutter leise und weich: „Willkommen zu Hause Mapiya.“ Dann konnte Mapiya nicht mehr anders. Sie warf sich an den Hals ihrer Mutter und Tränen netzten das weiße Fell. Die gesamte Herde drängte sich dicht aneinander und rief: „Mitawa ca, Mitawa ca…“ Das hieß, mir gehört die Erde. Alle freuten sich Mapiya in ihrer Mitte zu sehen. Niemand sagte etwas über ihre Flucht und ihr langes Verschwinden, jeder war glücklich sie endlich wiederzusehen und da verstand Mapiya etwas. Sie verstand nun endlich was wirkliche Freiheit bedeutete, nämlich egal was auch immer man macht und wo immer man ist, das alles zählt nur etwas, wenn da draußen in der Welt jemand ist der UNS bedingungslos liebt und immer auf UNS wartet.

 

Die Geschichte hatte ich für eine Freundin geschrieben.

 

©Eileen Schneemilch

 

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© Schneemilch, Eileen Autorin

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